Wolfgang K hat geschrieben:Hi Michael,
Kennt jemand einen Fall, in dem tatsächlich ein Wüstenfahrer durch Schlangebiss zu Schaden gekommen ist, ohne dass der/die Betreffende mit der Schlange "gespielt" hat?
Grüße
Wolfgang
Servus Wolfgang,
im Web nichts gefunden. Man stolpert zwar ständig auf Behandlungsberichte diverser Krankenhäuser mit entsprechend heftigen Dokus die nichts für schwache Nerven sind, Todesfälle dokumentieren sie aber nicht. Das scheint tabu zu sein.
Welche Institution dokumentiert schon gern, was bei ihnen so alles wegstirbt und nicht überlebt....
Und Freunde und Verwandte eines zu Tode gebissenen werden ihre Geschichte wohl kaum noch ins Netz stellen.
Die allgemeinen Schätzungen der Tropeninstitute, einschlägigen Unis etc. geben in etwa 550000 Schlangenbissfälle und davon 74000 Todesfälle weltweit an. Die Dunkelziffer schätzt man aber weltweit gewaltig höher ein. 70% der gebissenen Menschen z.b. in Indien gehen Inder bestenfalls zu einem singenden wunderheiler und nicht ins Spital, und vor allem auch weil's sie es sich gar nicht leisten können, da Antivenine extrem teuer sind...
Ich denke das Todesfälle von Individualtouristen im Sahararaum wahrscheinlich an einer Hand abzuzählen sind, wenn man den Zeitraum ab 1965 ansetzt, und nicht unwahrscheinlich ist, das es nicht mal einen einzigen gibt.
Bei den Einheimischen ist das eine andere Liga...
Der Verlauf einer Vergiftung ist von verschiedenen Faktoren abhängig:
Beim Menschen ist er vom Alter, Gesundheitszustand sowie von der Lage und Tiefe des Bisses und der
Einwirkdauer des Giftes und der Menge abhängig. Panik und Schock verstärken die Giftwirkung.
Die ausgeschüttete Giftmenge ist abhängig vom Angstzustand des Tieres und was vorher gebissen wurde oder nicht;
die Giftausschüttung beim Verteidigungsbiß (Trockenbiss) ist relativ gering, beim Angriffsbiß (Futterbiss) sehr hoch.
Für meine Trekkingtour KsarGhilane-See kann ich jetzt zwar ein gefriergetrocknetes serum im rucksack bei normaltemperatur über die Runden bringen, aber nur um es (im Falle einer Bergung) jemandem kompetenten zu geben, da es nur iV indizierbar ist. Einen Infusionsständer kann ich schlecht mitnehmen...
http://www.toxcenter.de/klin-tox/tiere/schlangen.pdf
Gruß
Peter
Der Mut des Wassertropfens besteht darin, dass er es wagt, in die Wüste zu fallen