Und wieder mal Neuigkeiten von meiner Reise:
Mein nächster Halt ist Merzuga. Ich will unbedingt in die Wüste und habe auch hier im Forum und auf den Campingplätzen nach Menschen gesucht, die mich auf eine Tour mitnehmen. Leider habe ich auf der Suche kein Glück. Einmal scheitert es an meinen fehlenden Sandblechen, einmal am fehlenden Schnorchel und einmal merke ich, dass die Gruppe nur aus guten Freunden besteht und sie das wohl auch gerne so belassen möchten. Die Routenwahl und der Guide waren mir zu diesem Zeitpunkt eigentlich ziemlich egal, sicher hätte ich mich nicht an die grössten Schwierigkeiten gewagt, ich möchte ja kein Hindernis sein.
Von einem leidenschaftlichen Wüstenfahrer mit dem ich vor Jahren mit drei Autos (ich war nur Beifahrerin) in Tunesien in der Wüste war, kriege ich die Telefonnummer von Mohammed seines Wüstenguides und Freundes in Marokko.
Somit sende ich Mohammed per WhatsApp eine Nachricht und er ruft er mich umgehend zurück. Wir machen ein Treffen für den nächsten Tag in Merzouga. Ich befürchte jedoch, dass ich als Alleinreisende aus finanziellen Gründen wohl eher einen kleinen Ausflug von höchstens einem Tag machen kann. Ich denke mal, dass dieser Job einem Bergführer in unserer Schweiz ähnelt und viel Verantwortung beinhaltet.
Bei einem Tee schlägt er mir eine 4 tägige Tour vor zu einem sehr sehr fairen und guten Preis und nun startet der Ausflug meines Lebens. Zuerst muss Mohammed noch ein Auto und Campingausrüstung organisieren und in Kürze ist er wieder retour.
Ich erlebe eine fantastische Fahrt durch Dünen und an die neu entstandenen Seen. Am nächsten Tag machen wir eine längere Fahrt in die grösseren Dünen. Nach ein paar wundervollen Stunden im Sand Surfen, verlassen wir den goldenen Saharasand und trinken ein Tee bei den Nomaden, die sich mit den Touristen etwas Geld verdienen. Bezahlt wird was man geben will oder kann.
Gegen Abend mache ich von unserem Camp noch eine wundervolle Wanderung ganz alleine in die Dünen.
Letzten September hat es seit 8 Jahren wieder einmal richtig geregnet und die Natur ist atemberaubend schön und einmal mehr wird mir bewusst, dass die Welt nicht gerettet, sondern geliebt werden will.
Am nächsten Morgen machen wir uns auf die alte Strecke Paris Dakkar Richtung Zagora. Bereits kurz nach dem Start müssen wir ein Flussbett überqueren. Durch den Regen sind die gewohnten Pisten nicht befahrbar und nach einem Fahrfehler meinerseits, stecke ich tief im Matsch fest. Ich habe dummerweise noch kurz aber fest aufs Gas gedrückt als ich schon feststeckte und grabe mich somit tiefer ein

. Mit meinem Abschleppseil, das mir mein lieber Bruder auf die Reise mitgegeben hat, inklusive der passenden Schäkel, Mohammeds Seil auch noch drangehängt und etwas schaufeln, bin ich in Kürze wieder draussen.
Bei Ramila kommen drei Flüsse zusammen und auch hier ist es unmöglich die gewohnte Piste zu befahren. Mohammed erklärt mir, dass wir einen Weg ziemlich oberhalb nehmen müssen und so schnell als möglich durch das Fech Fech fahren müssen.
Ich weiss, aus Tunesien und dem Oman, dass ganz feiner Sand als Fech Fech bezeichnet wird. Was ich hier jedoch erlebe, übertrifft meine ganzes Vorstellungsvermögen. Wir befahren oder besser gesagt überfliegen für gut 15 Minuten eigentlich Mehl. Ich weiss, dass ich hier so fest wie möglich aufs Gas drücken muss und der Weg führt in Schlangenlinien. Eigentlich sehe ich nichts und alles ist weiss. Ich werde plötzlich eins mit diesem Mehl und Staub. Alles fliesst und harmonisiert irgendwie zusammen. Ein unglaublich schönes Gefühl. Nun weiss ich also was richtiger Fech Fech ist.
Die Route führt weiter, manchmal über Steine gegen die Berge und manchmal durch Sand. Abends beim Essen erzählt mir Mohammed, dass er bis 14 Jahre als Hirtenjunge in der Wüste lebte. Er hat nie eine Schule besucht und spricht heute durch seinen Job als Wüstenführer perfekt: Berber, Arabisch, Französisch, Deutsch, Englisch, Italienisch und Spanisch.
Wir beide verstehen uns auf Anhieb wunderbar und geniessen die Reise. Ich spüre seine grosse Zuneigung und Kenntnisse zu der Landschaft, den Tieren und den Menschen. Mit seinem jetzigen Beruf ernährt er ungefähr eine zwei Fussballmanschaft grosse Familie/Sippe.
Wir treffen unterwegs zwei wunderschöne Hirtenmädchen die wohl über Tage mutterseelenallein Ziegen hüten. Mohammed unterhält sich mit ihnen. Ich plündere meinen Gemüse und Früchtekorb und überreiche den Mädchen Mandarinen, Bananen, Tomaten usw. Die Mädchen freuen sich ungemein ob all der Dinge in ihren Händen und dem liebevollen Gespräch mit Mohammed.
Wieder retour in Zagora besuche ich eine Garage um mein Auto innen und aussen putzen zu lassen. Der Motor und Luftfilter wird ausgeblasen, der Auspuff wird wieder richtig aufgehängt, ein kaputter Türgriff hinten, bei dem das Plastik abgebrochen ist und sogar ein Fenster, das bereits zu Hause nicht mehr auf und zu ging, wird repariert. Ich habe ihm zwar zugeschaut, aber es ist für mich quasi Zauberei, wie er einen abgebrochenen spröden Plastiktürgriff wieder hinkriegt. Der andere Türgriff hinten war bereits vor über 10 Jahren bei meinem Mann gebrochen und wurde für teures Geld ersetzt. Auch die Pneus lasse ich für den Asphalt wieder richtig aufpumpen. Dazu lacht und erzählt Abdul, dass er seit Kind, alles von seinem Vater gelernt hat.
Als ich am Schluss frage, was ich zu bezahlen habe, lacht er mich an und sagt mir, was immer ich geben möchte. Ich bin für ihn wohl ein ziemlich kleiner Fisch, denn hier stehen überall riesige Expeditionsmobile die neben Reparaturen fast alle ein zusätzliches Federblatt zum höher stellen einfügen lassen. Mitten auf der Strasse werden die "Latten" aus Stahl zugeschnitten und in die richtige Form gehämmert.
Daneben steht auch ein ziemlich lädierter Hippiebus mit drei jungen Leuten, die bereits zwei Wochen in einer Garage in Tafraout verbrachten und nun seit Tagen in dieser Garage im aufgebockten Bus leben. Es ist ziemlich viel an diesem Bus kaputt, Kardanwelle usw. aber auch sie wollen ihr Büssli höher machen. Scheint wohl momentan in Mode zu sein. Jedenfalls war es ein ein tolles Erlebnis in dieser Garage mit viel Lachen, spannenden Gesprächen und feinem Tee.
Mein Auto und bester Freund ist wieder wie neu und ich werde noch Wäsche waschen und wohl übermorgen brav auf dem Asphalt Richtung Küste rollen. Das Wetter hier in Marokko ist mit meiner einfachen Campingausrüstung immer noch perfekt. Spätestens im Januar/Februar wird jedoch auch hier die Kälte einkehren und dann werde ich der Küste entlang nach Süden der Wärme entgegen fahren. Inshallah
Sollte jemand Interesse haben, hier seine Telefonnummer und der Standort wo dann das Treffen normalerweise stattfindet. Er hat jedoch kein Büro oder Geschäft dort.
0667-586925
+212667586925 Oder eher so per WhatsApp?
https://www.facebook.com/excursionsdanslesdunesmaroc/
ADMIN-NOTE: Link war eine Google-Suche. Durch Ergebnis-Link ersetzt.
Nun rolle ich wieder gegen die Küste, ich habe Respekt vor dem Winter hier und bin nicht dafür ausgerüstet. Aber einmal an der Küste fahre ich dann einfach der Kälte davon, wenn sie denn kommt. Dies ist jedenfalls mein Plan.
Liebe Grüsse und gute Fahrt!