Tunesien - Felsgravuren

Kultur- und Politikgeschichte über die im Wüstenschiff behandelten Regionen.

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ursula
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Gravuren Tunesien

Beitrag von ursula »

ja, gepunzt oder geschlagen ist der richtige Ausdruck hier.

Diese Linien und "Augen" zu deuten ist eine schwierigere Sache. Oft wurde auf solchen Platten oder flachen Steinen
geopfert und die Flüssigkeit lief dann diesen Rillen entlang.

Manche sehen in ähnlichen Darstellungen eine Karte mit Quellen und Wadis.

Nicht nur in Nordafrika, auch in Namibia habe ich ähnliche Symbole gesehen. Dort ist es noch eher möglich, Leute
zu finden, welche die Bedeutung einer Gravur noch kennen und mir etwas dazu erzählen konnten.
So erklärten sie zB einen Ring mit einem Loch in der Mitte als Symbol für Quelle, viele kleine Löcher in regelmässigen Abständen als Regen oder Kalender.

Ich staune immer wieder, wie unterschiedlich die Spezialisten die gleiche Darstellung interpretieren, zB die
Bilderhöhle im Wadi Sora oder eben auf unserer Reise in den Gilf. Zwei Archäologen - eine Gravur - zwei Ansichten :wink:

Grüsse
Ursula
Regula St.
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Re: Tunesien - Felsgravuren

Beitrag von Regula St. »

Ich kann dem, was Birgitt und Ursula schon zu den Schalen- und Zeichensteinen geschrieben haben, nicht viel mehr beifügen. Das Problem ist,
1. dass die Dinger sehr häufig nicht datiert werden können (aus den Alpen gibt es Schalen, die zu Beginn des 20. [nachchristlichen!] Jahrhunderts gepickt wurden);
2. dass eine Deutung häufig schwierig ist (welche Bedeutung hat ein Symbol? Das ist je nach Kultur unterschiedlich!);
3. dass die Unterscheidung von künstlicher Herstellung und natürlicher Bildung je nach Verwitterung sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich sein kann.

Was in Betracht gezogen werden muss, ist gerade bei den Zeichensteinen auch eine Deutung als abstrahierte Landkarte (ein ganz schönes Beispiel gibt's aus der Val Camonica).

Sehr skeptisch bin ich bei astronomischen Deutungen, die sich v.a. auf die Berechnung von Winter- und Sommersonnenwende beziehen. Da wird von sog. Visurlinien gesprochen; in den Schalen sollen Steinzylinder oder Holzstäbe aufgestellt gewesen sein, über die diese Linien gelaufen sein sollen. Da die entsprechenden Visurlinien sehr kurz sind, ist der Messfehler entsprechend gross (für die Visuren in Stonehenge, die über 100 m betrugen, wird der Beobachtungsfehler mit 15° angegeben!). Für das alpine Gebiet sehe ich diese Interpretation als völlig nutzlos an: irgendwann hat doch mal jemand realisiert, hinter welchem Berg die Sonne zur Sonnenwende auf- oder untergeht, und das dann auch überliefert. Und wenn schlechtes Wetter ist, helfen auch die Visuren nicht weiter (weil man dann ja eh nichts sieht...)

LG Regula
Kuno
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Re: Tunesien - Felsgravuren

Beitrag von Kuno »

...der Ansatz mit den Landkarten klingt sehr gut.
ursula
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Gravuren Sahara Tunesien Ägypten

Beitrag von ursula »

ein Beispiel aus der Ost-Sahara - Karte und/oder Opferfelsen aus dem Wadi Talh, Gilf Kebir

1-6958256twa.jpg
2-6958257cmy.jpg

wichtig für eine Einschätzung ist auch der Kontext. Im Gilf stand der Felsen vor einer kleinen Höhle mit Gravuren von Hunden und Gazellen. Ein Jäger mit Pfeil und Bogen fand ich in einer Nebenhöhle. Auf der Plattform über den Höhlen waren Sandalen und eine Antilope eingraviert. Eine Scherbe aus der letzten Besiedlungsphase des Gilf lag halb eingegraben oberhalb der Plattform. Auf dem niedrigen Plateau darüber sperrte eine kleine Düne ein enges Wadi ab, Spuren von einer Playa waren erkennbar. Auf der Plateau-Ebene daneben fanden sich Siedlungsreste, Fesselsteine und Reibschalen.

Daraus kann man sich schon mal einen Reim machen. Aber ob die Siedler oder die Jäger den Felsen bearbeitet haben und zu welchem Zweck - das weiss ich trotzdem immer noch nicht :mrgreen:

Grüsse
Ursula
Kuno
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Re: Tunesien - Felsgravuren

Beitrag von Kuno »

Danke, Ursula; die Linien sehen denen in TN ziemlich ähnlich. Diese schlängeln sich teilweise auch meterlang über die Felsplatten.
Heinrich
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Re: Tunesien - Felsgravuren

Beitrag von Heinrich »

Hallo Kuno

Ein zusätzlicher Aspekt zur Altersbestimmung ist neben dem von Ursula erwähnten Kontext auch die Patina der Punzung bzw. Gravierung. Je heller die bearbeiteten Stellen im Unterschied zur Oberfläche des Steins selbst sind, desto jünger ist die Bearbeitung. Denn auch die frisch aufgeschlagene Oberfläche dunkelt mit den Jahrhunderten / -tausenden nach. Allerdings spielen da der bearbeitete Stein, die Lage und die Exposition zur Sonne eine wesentliche Rolle.

Ich gehe davon aus, dass die entdeckten Petroglyphen unbekannt sind. Als ich mich vor ca. 20 Jahren über tunesische Felsbilder schlau machen wollte, bekam ich auch von universitärer/wissenschaftlicher Seite zu hören, neben den erwähnten Sandalen/Fussabdrücken sei nichts bekannt.

Und heute weiss sogar Wikipedia mehr!

Solche unendliche (Punz-)Linien habe ich auch in gemalter Form (Fingerabdrücke) schon an verschiedenen Stellen gesehen.

In der Interpretation kann dann jeder sein eigener von Däniken sein.

Wenn du was für die Wissenschaft tun möchstest, informierst du eine tunesische Uni, die sich mit der Prähistorie beschäftigt. Denn – wie Ursula erwähnt – sämtliche Oberflächenfunde in der Umgebung sind wichtig, die sollten nicht verschwinden. Vielleicht kennst du ja von Libyen her H. Ziegerts Arbeiten, z.B. "Dor el Gussa und Gebel Ben Ghnema". Ziegert hat neben der Aufnahme der Felsbilder vor allem Oberflächenfunde registriert.

Also: Da tut sich doch für dich ein neues Betätigungsfeld auf...

Gruss

Heinrich
Kuno
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Re: Tunesien - Felsgravuren

Beitrag von Kuno »

Heinrich hat geschrieben:Also: Da tut sich doch für dich ein neues Betätigungsfeld auf...
Felsgravuren herstellen :mrgreen:
Wolfgang K
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Re: Tunesien - Felsgravuren

Beitrag von Wolfgang K »

Nochmal eines der unfangreicheren "Bilder"

Bild

Wenn man es mit Photoshop "ausmahlt"
Bild

Däniken würde links eine traurige, außerirdische Kartoffel erkennen.
Eine Bildliche Darstellung kann man wohl ausschließen :-)
Kuno
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Re: Tunesien - Felsgravuren

Beitrag von Kuno »

Wolfgang, du bist der Lösung eventuell näher gekommen als du je zu ahnen gewagt hättest:

Bild
Alexander
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Re: Tunesien - Felsgravuren

Beitrag von Alexander »

Nein Kuno, das sieht mir eher aus wie der Ottifant.

Mir war gar nicht bekannt, dass es in TN diese Steingravuren gibt.
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.

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ursula
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Sahara Gravuren Opferstein etc

Beitrag von ursula »

mir ist da noch was eingefallen...

...in einem Artikel hat Uwe George in den buntesten Farben geschildert, wie das damals war mit einem Opferstein in Ägypten > GEO 09/2010 Seite 69

der Stein existiert tatsächlich, ähnliche liegen auch sonstwo in der Sahara, aber derjenige neben dem Wadi Sora ist wirklich sehr schön gearbeitet

12-6963887iow.jpg
ursula
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Schalensteine - pierre a coupules -

Beitrag von ursula »

1. dass die Dinger sehr häufig nicht datiert werden können (aus den Alpen gibt es Schalen, die zu Beginn des 20. [nachchristlichen!] Jahrhunderts gepickt wurden);
Regula, ich wusste gar nicht, dass man in der Schweiz auch solche "Schalensteine" finden kann 8)
(mit den deutschen Ausdrücken tue ich mich zudem sowieso schwer)

zu welchen Zwecken wurden die denn bei uns gebraucht? als Opferschalen?

zufälligerweise bin ich grad auf ein Bild im Netz gestossen

1-7337290jin.jpg
Quelle http://www.panoramio.com/photo/39653355

Grüsse
Ursula
Bäärti
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Re: Schalensteine - pierre a coupules -

Beitrag von Bäärti »

ursula hat geschrieben:... ich wusste gar nicht, dass man in der Schweiz auch solche "Schalensteine" finden kann ...
zu welchen Zwecken wurden die denn bei uns gebraucht? als Opferschalen? ...
Hoi zäme

Ich „sammle“ seit vielen Jahren solche Schalensteine. In der Schweiz sind einige 100 Schalensteine bekannt. Der weitaus grösste Teil ist natürlich entstanden, nur wenige wurden von Menschen gemacht. Die meisten Schalensteine finden sich in Graubünden, Tessin und der Westschweiz. Aber es gibt sie in fast allen Kantonen.
Den Schalensteinen wird gerne etwas mystisches angedichtet. Das lässt sich aber nie belegen, sondern entspringt eher der spudelnden Fantasie. Man kennt menschgemachte Schalensteine, die zum Haselnuss knacken oder Getreide mörsern gebraucht wurden...

Bild

Gruss Bäärti

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der Muger - ein Bergler auf Abwegen.
Regula St.
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Re: Tunesien - Felsgravuren

Beitrag von Regula St. »

Hallo Ursula

eine schon etwas ältere, aber immer noch aktuelle Zusammenstellung wurde 1992 publiziert:
Schwegler, Urs: Schalen- und Zeichensteine der Schweiz. Antiqua 22, Schweizerische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Basel 1992.

Seit etwa einem Jahr gibt es auch eine Website dazu.

Und dem, was Bäärti über Entstehung und Gebrauch geschrieben hat, kann ich mich nur anschliessen.

LG Regula
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