In .uk haben immerhin 52% für die "Hungersnot in Venezuela" abgestimmt. Und das sind alles Rechtspopulisten und Nationalisten. Ja, das kann man so sehen, muß es aber nicht. Es könnten auch Stimmen dabei gewesen sein, die genau diese EU nicht haben wollen, also keinen Juncker, keine Kommission, keine Vergewaltigung von Griechenland, keine Merkel und ihre Interpretation einer "Union", o.ä.Guido3 hat geschrieben:So wie in UK: Rechtspopulistische, nationalistische Medien, die sich auch für Deutschland einen EU-Austritt wünschen. Davon abgesehen ist die Fragestellung ein bisschen wie "Wer hat positiv über die Hungersnot in Venezuela berichtet?" Keiner? Beweis! Gleichgeschaltete Medien!!!1!elf.Ralf Kiefer hat geschrieben:Pressevielfalt gibt's keine mehr. Konkret: welche deutschsprachigen Printmedien haben im Laufe der vergangenen Wochen ein neutrales oder gar positives Bild vom Brexit gezeichnet?
Es gab nur keine Fakten zu lesen. Das war das Hauptproblem, IMHO. Die einen schimpften, so wie Du, Rechtspopulisten und Nationalisten. Das waren die wesentlichen Argumente. Da gab's diverse Ähnlichkeiten zum Wahlkampf zur letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg. Die eine Seite, die der alten Parteien, zog auf diese Weise gegen die AfD ins Feld. Die Presse systemkonform im Schlepp. Es gab praktisch keinen Artikel in den großen Medien, wo die AfD nicht mit Rechtspopulismus klassifiziert wurde. Ich fragte mich häufig, warum die FDP nicht als Hotelierspartei bezeichnet wurde, oder die nächste wie historisch immer wieder verbürgt als Verräterpartei. BTW immerhin hat die AfD in BaWü einen wirklich guten Wahlkampf geführt, wie es keine andere Partei sonst geschafft hat. Deren Erfolg war wirklich erarbeitet: sie haben sich auf "rationale Fakten" zurückgezogen. Sie haben ihr Parteiprogramm vorgestellt, sind mit ihren Gästen jeden einzelnen Punkt inhaltlich durchgegangen und haben über jeden einzelnen Punkt diskutiert und Fragen beantwortet. Bei den alten Parteien: der Held betritt die Bühne, hält eine Rede der Aneinanderreihung hohler Phrasen, seine Lakeien betreten die Bühne, schleimen ein wenig, pflichtbewußter Applaus, Licht aus, alle müssen nach Hause. Fragen? Wozu?Guido3 hat geschrieben: Damit will ich das nicht gleich stellen, aber es gibt Dinge, über die man wenig Positives sagen kann, wenn man sich an die rationalen Fakten hält.
Wie bei der AfD stelle ich mir Wahlkampf vor völlig unabhängig davon, ob es Rechts-, Links-, Mittig-, Dunkelstgrünpopulisten oder Hotelierslobbyisten sind. In .uk gab's das nicht in dem Maß, daß die deutsche Presse darüber berichtet hätte. Aber die hat den Wahlkampf der hiesigen AfD genausowenig erwähnt. Immerhin konsistent. Wie die drei Affen.
Die Bild-Zeitung versucht mich von ihrer Seite auszusperren, indem sie ihren Adblock-Blocker laufen läßt. Blöd nur, daß der nicht funktioniert. Nicht mal das funktioniert bei denen. Aber ich respektiere den Wunsch der Bild und lese sie nichtGuido3 hat geschrieben: Naja, Du stellt bei anderen fest, dass sie in einer Filterblase leben. Auf Dich trifft das aus meiner Sicht auch zu. Nur dass Du eben andere Filterkriterien hast![]()
Länder wie Griechenland, Spanien, Portugal, Rumänien, Bulgarien bluten aus. Den in der EU noch "fehlenden" Ländern wird es genauso ergehen. Diese Staaten werden so auf Dauer ein Sanierungsfall bleiben. Die Menschen machst Du durch den Zwang zur Auswanderung nicht glücklicher. Im Gegenteil: die verlieren ihre Heimat, ihre Sprache, ihre Kultur. Eine neue Heimat finden die allerwenigsten. Im Zielland bleiben sie Ausländer, im krassen Fall wie mehrheitlich bei den Deutschtürken allerdings aus starkem, eigenem Antrieb. In diesem Umfeld bilden sich Aggressionen und Konflikte. In der ehemaligen Heimat bleiben die Abgehängten, die keine Perspektive mehr haben, wo ganze Landstriche vergreisen, übrigens wie teilweise drüben in den neuen Bundesländern Deutschlands ebenfalls. Im Zielland ihrer Flucht schüren sie die Verteilungskämpfe um begrenzte Ressourcen. Letzteres ist natürlich das Ziel der eigentlich Mächtigen in dieser EU, der Konzerne. Sie brauchen billige, willenlose, erpreßbare Arbeitskräfte. Die Politik schafft nur die Rahmenbedingungen dafür.Guido3 hat geschrieben:Das lässt sich nicht von der Hand weisen und ist eine Nebenwirkung der Grundfreiheiten der EU. Hunderttausende Griechen haben nur durch eben diese Freiheiten in anderen Ländern wieder eine Perspektive bekommen. Die Frage ist, übersteigen die negativen Aspekte dieser Freiheiten die positiven Aspekte?Ralf Kiefer hat geschrieben:Das Problem dieser Länder wurde eines für die EU und durch diese verstärkt. Konkret: durch die Abwanderung der höher Qualifizierten aus Spanien, Portugal, Griechenland u.a. fehlen diese vor Ort.
Man kann jetzt argumentieren, daß 52% der Briten zu blöd waren die Vorteile dieser EU zu erkennen. Ich halte dagegen, daß 48% zu naiv waren um über ihren Tellerrand hinauszuschauen, um die gerade auflaufende Problemwelle zu erkennen. Das deckt sich mit dem Geschreibsel in den Medien: Probleme werden nicht erkannt, werden verharmlost, bagatellisiert. Journalismus ist dazu da die Politik zu hinterfragen, nicht diese schönzufärben. Ich erinnere nur an das Geschreibsel rund um das "Wir schaffen das". Da würden so viele Fachkräfte kommen, die wir brauchen, und ähnlicher Unsinn. Merkel hätte stattdessen einfach sagen können: "Ihr könnt momentan in eurer Heimat nicht leben, wir helfen euch über die schlechte Zeit hinweg." Wirklich geholfen ist jetzt allerdings nur wenigen, eher nur der hiesigen Flüchtlingsindustrie. Stattdessen wird über die Kosten wg. Flüchtlinge gestritten. Wenn sogar im Spiegel bereits solche Statistiken veröffentlicht und interpetiert werden, sieht die Wirklichkeit tatsächlich viel übler aus. Und es ist ein EU-Problem, allerdings eines, das von Merkel stark angefacht wurde. Bei solchen Projekten wie dem Flüchtlingslager az-Zaatari hätte sich die EU mit besserem Wirkungsgrad engagieren können.
Noch so ein benachbarter Punkt: Hierzulande und jetzt wird bereits bei einer offiziellen(!) Arbeitslosenquote von knapp 3 Millionen von Vollbeschäftigung fabuliert. Soll heißen, daß über 5 Millionen Menschen keinen Arbeitsplatz haben. Zu Beginn der 1980er Jahre galt es als ausgewiesener Skandal, daß die Arbeitslosenquote 1 Million erreichte. Zur Einordnung: damals gab es keine "Maßnahmen", um Arbeitslose aus der Statistik rausrechnen zu können. Ich erwähne dazu einfach nochmal das Stichwort Gehirnwäsche.
Ich halte es für einen Teil des EU-Problems. Wo gehen die Wirtschaftsflüchtlinge aus den oben erwähnten Staaten hin? Z.B. nach Deutschland. Hier sind sie Teil der Konkurrenz um beschränkte Ressourcen, hier Arbeitsplätze.Guido3 hat geschrieben:Das ist vielleicht so. Aber wenn es so ist, dann ist das doch auch kein EU-spezifisches Problem? Verschwindet dieses Problem, wenn es die EU nicht mehr gibt?Ralf Kiefer hat geschrieben:In der Generation Praktikum werden die prekären Arbeitsverhältnisse ein bißchen getarnt. Für relativ viele ist daher schon mal die Gründung einer Familie nicht möglich. Es sind ähnliche Strukturen wie bei Arbeitslosigkeit. Wer sich von einem Zeitarbeitsvertrag zum nächsten hangelt, entsprechende "Pausen" dazwischen, hat nunmal keine Chance seine Zukunft zu planen.
Ein interessanter Aspekt der Brexit-Debatte war die Zahl der wirtschaftsflüchtigen Polen in .uk. Würden alle diese Polen zurück in ihre Heimat gehen (müssen), würde das polnische Sozialsystem implodieren. In Umkehrung: das britische mußte es bisher verkraften. D.h. Polen hat seine strukturellen Probleme einfach exportiert. Dank EU.
"Globaler Wettbewerb" ist der gnadenlose Konkurrenzkampf der Menschen, Nutznießer sind die Konzerne, die in jeglicher Hinsicht mobil sind, von den Arbeitsplätzen bis zur Steuerzahlung. Auf der Strecke bleiben dabei nicht nur Umweltstandards. Und was soziale Standards angeht: schon jetzt sind die Unterschiede innerhalb der EU immens. Schau Dir die Lebensmittelpreise in Rumänien oder Bulgarien an, schau Dir Wohnungsmieten an, kurz alle Mindestanforderungen an ein menschenwürdiges Leben. Das kann so nicht funktionieren, und es funktioniert nicht.Guido3 hat geschrieben: Meines Erachtens ist die EU da eher Teil einer Lösung als Teil des Problems. Mit der EU haben wir einen hinreichend großen Wirtschaftsraum, um z.B. Sozial-Mindeststandards zu definieren und im globalen Wettbewerb halbwegs aufrecht zu erhalten. Für ein einzelnes Land ist das wesentlich schwieriger.
Im Kleinen gab's solche Verteilungskämpfe sogar hier mitten in Mitteleuropa. In den frühen 1990er Jahren setzte eine "Völkerwanderung" aus den deutschen Grenzgebieten ins Elsaß und nach Lothringen ein. Die Grundstücks- und Häuserpreise waren für Deutsche sehr interessant. Einige Dörfer im Elsaß begegneten der Einwanderungswelle mit Weitsicht, andere weniger. Und so gibt es heute Dörfer im Elsaß, wo man als Deutscher nicht gerade freundlich begrüßt wird, nicht mal als Tagesbesucher. Heute. Mitten in dieser EU. Der Wettbewerb ums Wohneigentum ging vielerorts zuungunsten der Einheimischen aus. Es gab immerhin Dörfer, in denen mit Weitsicht gehandelt wurde. Dort wurde geplant, es entstanden Angebote für die Integration (Vereine, Kindergarten, u.ä.), die Einheimischen wurden bildlich an ihrem Standort abgeholt und in die Einwanderungswelle integriert, das Zumutbare ausgelotet. Ich übertrage das aus dem Kleinen aufs Große: ich sehe schwarz.
Ich versuche mir vorzustellen, daß die Marokkaner nach EU-Regeln leben und arbeiten müßten. Und da fängt's an: ich kann es nicht. Die Unterschiede sind unüberbrückbar. Man kann die Welt nicht nach EU-Maßstäben formatieren.Guido3 hat geschrieben: Ein rein hypothetischer EU-Beutritt Marokkos wäre doch dann eher die Lösung, weil der Marrokaner dann EU-Regelungen zum Verbraucherschutz, zur Haftung usw. befolgen muss.
Und ich will es nicht. Ich schätze Marokko so, wie es ist.
Da bin ich auch gespannt drauf. Die Generation "ich habe ja nichts zu verbergen" wird vielleicht noch die ein oder andere Überraschung erleben. Dieser versuche ich zu entgehen.Guido3 hat geschrieben:Du bildest Dir ein, weiter zu sein.Ralf Kiefer hat geschrieben:Ich bin in diesem Punkt etwas weiter als die aktuelle Jugend.Ich bilde mir auch so Einiges ein. Wer denn die richtige Einbildung hatte und weiter war, wird man wohl erst in 10-20 Jahren im Rückblick halbwegs objektiv beurteilen können.
Gruß, Ralf




