
Tagebuch von Richard Kellie:
08. Mai 2009- Hodeidah
Die Zeit fliegt, wenn Du ein Segelschiff auftakelst!
Ich glaube, ich habe den Verlauf der Tage vergessen.
Ich glaube es war der 6. Mai, als wir herausfanden, dass unser Mittelsmann im Gefängnis saß.
Also war es der Kapitän des Schleppbootes, der Nigel, Phillip und John zum einkaufen fuhr. Ich persönlich denke, dass Mohammed, unser Agent, ein „lukratives Angebot“ von einem Schiff bekam, welches einlief um Diesel zu tanken- den es jedoch im Hafen nicht gab.
Vermutlich hat er sich von diesem erfolgreichen Geschäft dieses wunderschöne, ziemlich neue Tiburon Sportauto (Marke Hyundai) gekauft. Das „Herumprotzen“ mit dem frisch erworbenen Reichtum hat sicherlich für Ärger gesorgt. Ich bin sicher, dass er den Gewinn eigentlich teilen sollte und falls er zu knauserig mit dem Teilen war, hat sein Sportauto den anderen Arbeitern am Dock bestimmt Salz in die Wunden gestreut.
Er ist nun bis Samstag vom Hafen „verbannt“.
Wir mussten die Pumpen befestigen und wollten die Maschine heute starten. Ich habe vergessen, dass dies meine erste Aufgabe nach dem Frühstück sein sollte.
Wir installieren zudem die Ruder (zwei phönizische Seitenruder und ein konventionelles, welches man benutzt, wenn die Maschine läuft).

Phillip und Nigel arbeiteten am Generator, der nicht starten wollte.
Ein sumerisches Artefakt, denke ich.
John und ich strafften derweil die Befestigungs- Taue vom Mast und begannen mit der Arbeit an der Flagg- Leine (welche die Rah am Mast hochzieht). Wir müssen „das Knight“ - ein Pfosten hinter dem Mast- abschrauben um die Flagg- Leine durchzuziehen.
Ein gutes Zeichen war- als wir es uns letzte Nacht an Deck zum schlafen gemütlich machten- dass der Wind sich um 180 Grad von Nordwest nach Südost drehte.
Diese Bezeichnungen verwirren mich, da ein südöstlicher Wind nach Nordwesten bläst- ich schaue lieber nach vorne und nicht nach hinten. Oder mein Hirn ist einfach wirr. Meine Mutter verwechselte immer rechts und links und als Folge musste ich immer nachdenken, was nun was ist und muss oft meine Hände angucken um es zu kapieren (dies ist ein entschiedener Nachteil für einen Taxi- oder Lkw Fahrer…).
Also verbrachten wir den Tag damit, das Schiff aufzutakeln und die Hauptrah (mit dem Hauptsegel) auszurichten. Sie war riesig- bisher lief das Schiff ja nur mit dem kleinen Sturmsegel. Wir prüften die Ruder- und die Betakelung war immer noch nicht ganz richtig.
Phillip musste inzwischen viele Male nachhaken, ob wir endlich einen Passierschein zum Verlassen des Hafens bekamen. Es war Freitag, also war alles geschlossen. Sogar die Cafeteria.
Ich war den größten Teil des Tages damit beschäftigt, die Wasserpumpen zu befestigen. Es gibt davon zwei: Eine, die das Meerwasser in Nigels Wärmetauscher pumpt und eine weitere für die Maschinenkühlung. Ich hatte Probleme beim Nachrüsten des Wechselstromgenerators und zerbrach die Ölleitung für den Kompressor. Nigel kam runter und beendete die Arbeit, den Bolzen für den Wechselstromgenerator anzupassen.
Es ist wirklich ein dürftiges Stück Technik. Der Wechselstromgenerator stößt gegen den Kompressor und den Maschinentrakt- und um den Keilriemen zu spannen mussten wir den Generator sogar ausbauen, um an den Riemen zu kommen. Die Pumpe ist leicht abgesetzt und obwohl ich meinte, dass wir einen Teil des Eisenwinkels, welcher die Pumpe trägt einfach abschneiden sollten, taten wir dies nicht.
Mir selbst überlassen, und mit der Zeit denke ich das es eine gute Idee gewesen wäre- Es war NAHEZU RICHTIG!
Es war ziemlich heiß in Hodeidah und ich nutzte die Zeit, meine Bräune zu vervollkommnen. Da die Sonne so stark ist, hält Dich nur eine Menge Sonnenschutz vom Aussehen eines Hummers ab. John und ich gingen rein, um uns abermals mit Sonnenkreme einzureiben und als wir vor Creme nur so schäumten, kam einer der Wachposten vom Dock an Bord (mit einem Maschinengewehr) und ertappte uns in unseren kurzen Hosen beim einkremen. „Was zum Teufel ist hier los?“ waren die ersten Worte, die seinen Mund verließen.
Sie haben eine bizarre Einstellung zur nackten Haut im Yemen. Einer der Wächter beschimpfte auch Nigel, weil er zu leicht bekleidet war. Das war mitten in der Nacht, als Nigel aufstand, um sein Moskitonetz zu richten. Da war NIEMAND da! (außer Nigel und dem Wächter).
Ich schnitt ein Stück Kupferrohr für die gebrochene Ölleitung zu und setzte es ein. Ich drücke die Daumen, da wir morgen die Maschine starten wollten! Hoffentlich bekommen wir morgen unsere Pässe und sind am Sonntag abfahrbereit. Der Wind hat sich zwei Nächte hinter einander zu unseren Gunsten gedreht und nach Meinung der Einheimischen wird er am Sonntag wieder drehen- UND wir würden unter Vollmond segeln!

Wir waren die ganze Zeit (wegen der fehlenden Genehmigung) an die Docks gefesselt und konnten nicht in die Stadt fahren, um Besorgungen zu erledigen.
Aber nicht nur das:
Die Krähen haben mich als „Zuhausevernichter und Babykiller“ gebrandmarkt. Wann immer ich alleine zu den Docks ging, flatterten Mörderkrähen über meinem Kopf (jedoch entfernt, da sie offensichtlich wussten, dass ich jeden Moment garstig werden konnte).
Irgendwann bekamen wir dann doch endlich wieder unsere Genehmigung für den Landgang und John und ich gingen in die Stadt zum einkaufen. Als wir aus dem Supermarkt gingen, schlossen die Besitzer diesen und luden uns ein, mit ihnen zu essen- was wir auch taten.
Es gab ein phantastisches Truthahngericht - oder ein wirklich sehr großes Huhn. Ich habe noch keine Truthähne im Yemen gesehen (natürlich bedeutet dass nicht, dass es keine gibt).
Das Essen war großartig und sie gaben uns Flaschenwasser aus dem Kühlschrank. Auch das war ausgezeichnet. Wohlgenährt brachen wir von unserem Supermarkteinkauf auf und kauften noch eine Menge frische Früchte (Mangos, Äpfel, Orangen und Bananen) und Gemüse (Kartoffeln, Tomaten, Gurken und Kürbis) ein.
Ein bisschen Hardware.
Das Boot selbst ist mit braunem Pinienteer überzogen, der überall durchsickert. Der Teer ist zum Schutz des Holzes und das Schiff ist dadurch schwarz geworden- eher ein dunkles Braun.
Wenn DAS die Beschaffenheit der meisten Segelschiffe aus alten Zeiten war, kann ich verstehen, weshalb „Old Seedogs“ (erfahrene Segler) „Old Tars“ (altes Teer) genannt werden.
Ich war dreckig und duschen reichte nicht aus, um diesen Dreck loszuwerden. Zudem war der Geruch von diesem Zeug ziemlich streng- Dies war der Hauptgrund, weshalb ich an Deck schlief (wie wir alle).
Was sehr schön wäre-
gäbe es die Moskitos nicht. Mir ging der Mückenschutz aus und ich fand etwas Zeug, welches die indonesischen Segler (vom vorherigen Abschnitt der Reise) in meiner Koje zurückgelassen hatten.
Wenn mein Moskitonetz nicht auf Abstand blieb, bissen sie dort, wo es auf meiner Haut auflag. So erwartete ich freudig, dass wir raus auf das Meer kamen, wo ich ohne Netz moskitofrei schlafen kann.
Wir wollten Sonntag lossegeln, aber das Schiff war nicht fertig.
Die yemenitische Crew kam (Fadil, Ali und Abdul) und sie verlangten prompt doppelten Lohn für die Woche. Abdul bestand sogar auf 200 US Dollars für die Woche.
Den größten Teil des Sonntags verbrachten wir, indem wir die Auftakelung endlich beendeten und uns vergewisserten, dass alles richtig verstaut war. Unser Agent brachte uns unsere Pässe zurück-
UND die bescheuerten Zollbeamten in Hodeidah haben uns aus dem Yemen ausgestempelt!
Dass war sehr ernüchternd, da die Visa je 60 US Dollars kosten und da wir die yemenitischen Küstengewässer noch nicht verlassen, wäre es nicht nötig gewesen, unsere Pässe auszustempeln. Nun bedeutet dies, dass wir jeder 60 Dollar zahlen werden, wenn wir von Aden nach Sanaa zurückkommen. (Der nächste, geplante Aufenthalt nach Hodeidah war Aden- also immer noch im Yemen)
Richard Kellie








